Report

Monsanto Gentechnik

Report von Greenpeace Deutschland

Einleitung

1901 gründete der Pharma-Angestellte John Francis Queeny die Chemie-Firma
Monsanto. Schon das erste Produkt, das Monsanto 1903 auf den Markt brachte, war ein
ökonomischer Glücksgriff – der künstliche Süßstoff Saccharin. Seitdem expandierte das
Unternehmen unaufhaltsam zu einem führenden Pharma- und Chemieproduzenten. In
Monsantos Produktpalette finden sich Aspirin ebenso wie das gefürchtete Vietnamkrieg-
Entlaubungsmittel „Agent Orange“, dioxinhaltige Herbizide und das Rinderwachstumshormon rBST.
Ende der 1970er Jahre nahm der Konzern die Entwicklungsarbeit an gentechnisch
veränderten Pflanzen auf und war damit einer der Pioniere auf diesem Sektor. Seit 1992
verfolgt das Unternehmen konsequent seine so genannte „Life-Science- Strategie“ und
setzt ganz auf Gentechnik-Saatgut. Die Umsetzung des Life-Science-Konzeptes führte
1997 zu einem Verkauf des übrigen Chemiegeschäftes. Gleichzeitig begann Monsanto
mit dem systematischen Aufkauf konkurrierender Saatguthersteller. 1994 erteilte die US-
Regierung die Zulassung für gentechnisch verändertes Saatgut. Monsanto wurde auf
Anhieb Marktführer .
Durch die Fusion von Monsanto mit Pharmacia & Upjohn Anfang 2000 entstand ein Riese
– der damals weltweit elftgrößte Pharmakonzern. 2002 wurde Monsanto bereits wieder
abgestoßen. Das Unternehmen ist seitdem eine eigenständige Firma mit den
Hauptgeschäftsfeldern (Agrar-)Chemikalien und Saatgut, das Monsanto sowohl
konventionell als auch genmanipuliert anbietet. 90 Prozent aller weltweit angebauten
Gen-Pflanzen stammen von Monsanto. 3 Das Geschäft läuft auf Hochtouren: Monsanto ist
mit mehr als vier Milliarden Euro Umsatz der weltweit größte Anbieter von Gen-Pflanzen.
267 Millionen US-Dollar Gewinn machte das Unternehmen im Geschäftsjahr bis August
2004, fast viermal so viel wie im Jahr zuvor. 2005 will das Unternehmen die Erträge um
insgesamt 18 Prozent steigern, 2006 werden 10 Prozent Wachstum anvisiert. Der global
agierende Monsanto-Konzern verfolgt ein Atem beraubendes Ziel: Das Unternehmen will
nichts weniger, als die Welt-Landwirtschaft vollständig unter seine Kontrolle bringen – in
Nordamerika ebenso wie in Europa, in Asien ebenso wie in Afrika und Lateinamerika.
Kein landwirtschaftlicher Betrieb in Nordamerika ist zu groß, kein Familienbetrieb in Afrika
oder Südamerika zu klein, als dass Monsanto sich nicht dafür interessierte.
Um das weltweite Saatgut-Monopol zu erlangen, setzt Monsanto eine geschickte
Kombination von Strategien ein, die wie Zahnräder ineinander greifen. Sie reichen
von aggressiven und irreleitenden PR-Kampagnen und die bewusste Fehlinformation der
Öffentlichkeit über den konsequenten Erwerb weitreichender Patente bis hin zur
Einflussnahme auf politische Entscheidungsgremien und Bildungsinstitutionen. Und
schließlich arbeitet die Kontamination riesiger Landstriche und ganzer Länder mit den
patentierten Gen-Saaten Monsantos dem Unternehmen in die Hände.

436 Millionen Dollar gab Monsanto zwischen 1998 und 2002 insgesamt für
Werbekampagnen aus. Die Hauptbotschaften waren: Gentechnisch veränderte Produkte
führen zu geringerem Pestizideinsatz, bringen dem Landwirt Profite und ernähren die
Hungernden der Welt. 5 In Großbritannien musste Monsanto für solche Werbung
allerdings eine harsche Zurückweisung einstecken: Die britische „Advertising Standards
Agency“ verurteilte die Werbung Monsantos in 6 von 13 Fällen als falsch und
irreführend. 6 Doch weder juristischer Gegenwind, noch Massenproteste unter indischen
Bauern, noch zahllose Klagen US-amerikanischer und kanadischer Farmer gegen das
Unternehmen können Monsanto bislang in seinem Vorgehen beirren.

Die Macht-Strategien Monsantos

Vier Strategien sollen Monsanto den Weg zum weltweiten Saatgut-Monopol sichern:

1. Kaufen: Seit 1999 ging Monsanto auf Einkaufstour und kaufte für mehr als 13
Milliarden Dollar überall auf der Welt Saatgutfirmen.

2. Patentieren: Monsanto erwirbt eine Vielzahl von Patenten, sowohl für gentechnische
Methoden als auch für sein Gentechnik-Saatgut. Vorteil der Patente für Monsanto: Ist das
Saatgut einmal an einen Landwirtschaftsbetrieb verkauft, kann Monsanto Lizenzgebühren
verlangen, da auch die Ernte noch unter den Patentschutz fällt.

3. Kontrollieren: Jeder Farmer, der Monsanto-Saatgut anbauen möchte, muss einen
detaillierten Vertrag unterzeichnen, der ihn aufs engste an Monsanto bindet. Dem Farmer
wird untersagt, die eigene Ernte als Saatgut wieder zu verwenden, und er muss sich
bereit erklären, den Inspektoren des Unternehmens die nächsten drei Jahre Zutritt zu
seinen Sojafeldern zu gewähren.

4. Kontaminieren: Monsantos Anwälte würden bestreiten, das Unternehmen habe die
Kontamination ganzer Regionen mit seinen Gen-Saaten absichtlich herbeigeführt.
Tatsache ist: Eine solche Kontamination fand und findet in dramatischen Ausmaßen statt,
bislang vor allem in Nord- und Südamerika. Denn der gentechnisch manipulierte Pollen
fliegt wie jeder Pollen dieser Welt unkontrollierbar mit der Luft zu potenziellen
Kreuzungspartnern und vermischt sich mit ihnen. Und danach kann Monsanto kassieren,
denn was immer aus diesen „unabsichtlichen“ Kreuzungen hervorgeht, trägt Monsantos
patentierte Gene in sich und gehört damit dem Konzern. Don Westfall, einer der
wichtigsten Berater von biotechnologischen Lebensmittel-Unternehmen, sagte gegenüber
dem „Toronto Star“ (9.1.2001) ganz unverblümt: „Die Hoffnung der Industrie ist, dass der
Markt mit der Zeit so überflutet ist, dass man nichts mehr dagegen tun kann. Man kann sich nur ergeben.“ Die Kombination dieser vier Strategien bescherte Monsanto eine
bisher noch nie da gewesene Kontrolle über den Verkauf und die Benutzung von Saatgut
in den USA. Und wenn Monsantos Kalkül aufgeht, setzt sich die „Erfolgsstory“ von
Nordamerika in den kommenden Jahren auch auf anderen Kontinenten fort.

Strategie 1: Kaufen

Monsanto eroberte seine Schlüsselposition im Saatgutmarkt durch Milliarden- Aufkäufe
von und strategische Allianzen mit international bedeutenden Pflanzenzuchtfirmen – zum
Beispiel Calgene, Asgrow Agronomics, Asgrow and Stine Seed, Agracetus, Holden’s
Foundation Seeds, Delta and Pine Land, Corn States Hybrid Service, First Line Seed,
Limagrain Canada Seeds, Cargill (mit Niederlassungen in Asien, Afrika, Europa, Zentral-
und Südamerika), Plant Breeding International, DeKalb Genetics (die bis dahin
zweitgrößte Saatgutfirma der Welt), Monsoy (Brasilien), Sementes Agroceres (Brasilien,
beherrscht 30 Prozent des dortigen Saatgut-Marktes für Mais), Maharasta Hybrid Seed
Co (Mahyco; Indiens größtes privates Saatgutunternehmen), PT Monagro Kimia
(Indonesien). Noch im Januar 2005 erwarb Monsanto den Konkurrenten Seminis für 1,4
Milliarden Dollar.
In erster Linie zielte Monsantos Einkaufstour auf den Erwerb der Marktführer bei Mais,
Soja und Baumwolle. 9 Monsanto ist jetzt weltweit der zweitgrößte Saatgutanbieter – nur
der US-amerikanische Konzern DuPont ist noch größer. Allerdings nicht bei Gentechnik-
Saatgut, und auf diesen strategischen Vorteil setzt Monsanto.

Strategie 2: Patentieren

1980 gab der US-Supreme-Court grünes Licht für die Patentierung gentechnisch
veränderter Lebensformen. 2001 wurde der Patentschutz auf genmanipulierte Pflanzen
erweitert. 10 Damit war die Bahn frei für den Griff zur Saatgut-Macht: In den 1980er und
den frühen 1990er Jahren sicherte sich Monsanto den Zugriff auf Genbanken privater und
öffentlicher Forschungseinrichtungen und erwarb in den USA bedeutende Patente auf
gentechnische Methoden sowie auf Gene, die mit gentechnischen Methoden auf
konventionelle Pflanzensorten übertragen wurden. Monsanto verdient vor allem an zwei
Schlüsseltechnologien:
– Bt-Technologie: Das Bt-Toxin ist ein Insekten-Gift, das normalerweise von dem
natürlich vorkommenden Bakterium Bacillus thuringiensis (Bt) produziert wird. Das Gift
tötet effektiv Schmetterlinge, Motten und Käfer und ist eines der wirkungsvollsten
natürlichen Pestizide für Biolandwirte. Monsanto besitzt Patentrechte auf Nutzpflanzen, in
die ein Bt-Toxin-Gen eingeführt wurde. Diese Pflanzen – unter den Namen Bollgard-
Baumwolle und YieldGard®-Mais auf den Markt gebracht – bilden nun eigenständig das
3Bt-Gift. Sie sollen, behauptet zumindest Monsanto, damit effektiv gegen Schädlinge
geschützt sein. Neben den grundsätzlichen Bedenken der gentechnischen Veränderung
von Nutzpflanzen ist die Bt-Technologie aus ökologischer Sicht bedenklich: Durch eine
ausgedehnte Bepflanzung mit Bt-Saat können sich Resistenzen in den Populationen der
Schädlinge bilden. Das bedroht die Wirksamkeit dieses natürlichen Pestizids für alle
Benutzer, vor allem für Biolandwirte.
– Roundup-Ready-Technologie: Roundup ist ein Breitbandherbizid aus der Produktion
Monsantos (aktiver Bestandteil: Glyphosat). Das Gift ist so effektiv, dass auch
Nutzpflanzen normalerweise nicht dagegen gefeit sind. Monsanto besitzt jedoch
Patentrechte auf so genannte Roundup Ready-Nutzpflanzen (Mais, Soja, Zuckerrüben,
Raps), die per Gentechnik resistent gemacht wurden gegen Roundup. Monsanto
behauptet, dass die Technologie der genmanipulierten Roundup-Ready- Pflanzen den
Verbrauch des Herbizids senken würden. Doch das Gegenteil ist der Fall, wie zahlreiche
Studien zeigen – hierin liegt ein Teil der ökologischen Brisanz dieser Technologie. Die
Gen-Pflanzen von Monsanto kamen 1996 auf den Markt und eroberten die US-Felder.
Schon 1998 stammten 88 Prozent der gentechnisch veränderten Pflanzen auf US-
amerikanischen Äckern aus der Hand von Monsanto. 1999 wurden auf 57 Prozent der
Soja-Anbaufläche gentechnisch veränderte Pflanzen eingesetzt. Dabei wurde fast
ausschließlich Saatgut mit dem Monsanto-Patent verwendet. 2004 standen gentechnisch
veränderte Soja-Pflanzen auf 85 Prozent aller US-amerikanischen Felder. 20,20 Die
Kombination von Patentrecht und Gentechnik gibt Monsanto ein überaus effektives
Werkzeug an die Hand, um die gesamte Kette der Lebensmittel-Produktion ökonomisch
zu dominieren:
– Das Patent geschützte Saatgut erlaubt es Monsanto, Landwirte auf Jahre hinaus
vertraglich zu binden.
– Die Ernte gehört keineswegs dem Landwirt allein, sondern das Patentrecht sichert
Monsanto Lizenzrechte.
– Darüber hinaus sind die Patente so weit gefasst, dass sie auch noch die Folgeprodukte
der Ernte bis zum Endprodukt umfassen.
Im Jahre 2004 hielt Monsanto 647 Biotech-Pflanzen-Patente – mehr als jedes andere
Unternehmen in diesem Bereich.
Manchmal allerdings wird Monsantos Streben nach Patenten ein Riegel vorgeschoben: Im
Oktober 2004 widerrief das Europäische Patentamt (EPA) nach einem Einspruch von
Greenpeace das Patent EP 445929 auf indischen Weizen. Das Patent erstreckte sich auf
einen von indischen Bauern gezüchteten Weizen mit besonderer Backqualität. Das
Patent beschränkte sich nicht auf die Züchtung eines Weizens, sondern Monsanto
beanspruchte auch Mehl, Teig und die daraus gewonnenen essbaren Produkte. Dabei
hatte das Unternehmen lediglich den Weizen „Nap Hal“ mit anderen Pflanzen gekreuzt
und das Ergebnis als eigene „Erfindung“ beim EPA angemeldet.

Strategie 3: Kontrollieren

Nachdem Monsanto einen Großteil der Konkurrenz aufgekauft hatte oder eng mit ihr
kooperierte, wurde es für US-Landwirte immer schwieriger, überhaupt gentechnikfreies
Saatgut in den USA zu erwerben. Also arbeiteten mehr und mehr Bauern mit Monsanto
zusammen. Das „Center for Food Safety“ zeichnet in seiner umfangreichen
Dokumentation „Monsanto vs. U.S. Farmers“ (2005) die aggressive Politik des Konzerns
gegenüber US-Farmern nach. Monsantos Kontrollen folgen einem durchdachten System.
Das Unternehmen
– bindet die Landwirte durch Knebel-Verträge
– kontrolliert ihre Felder und Scheunen
– droht beim geringsten Verstoß mit juristischen Maßnahmen und
– überzieht die Landwirte mit teuren Gerichtsverfahren.

Kontrolle durch Verträge

Monsanto festigt seine marktbeherrschende Position durch die Verträge, die es mit den
Käufern seines Saatguts abschließt. Diese Verträge
– verbieten Landwirten, die eigene Ernte als Saatgut zu verwenden, wie es Bauern seit
tausenden von Jahren tun
– erlegen Landwirten eine Schweigepflicht auf: kommt es zu Konflikten über eine etwaige
Verletzung des Vertrages, dürfen sie zu Dritten nicht darüber sprechen
– verpflichten Landwirte, eine Technologiegebühr von 15 Dollar pro Acre (ca. 4000 qm) an
Monsanto zu zahlen
– verpflichten Landwirte, den Detektiven Monsantos jederzeit und unter allen Umständen
Zutritt zu ihrem Land gewähren.
Darüber hinaus enthält der Vertrag zahlreiche weitere Bestimmungen, die genau
festlegen, was der Farmer hinsichtlich Aussaat, Ernte und Verkauf von gentechnisch
hergestellter Saat zu tun und zu lassen hat. In neueren Verträgen Monsantos ist
außerdem eine Klausel enthalten, die es dem Landwirt untersagt, Monsanto zu verklagen,
sollte das genmanipulierte Saatgut versagen.
Ignoriert ein Landwirt die Vereinbarungen oder einen Teil davon, so kann er laut Vertrag
für die von ihm begangene Patentrechtsverletzung haftbar gemacht werden. Er muss die
Anwaltskosten sowie die gesamten Kosten der Durchsetzung des Vertrags bezahlen.
Haben Landwirte diesen Vertrag einmal unterzeichnet, stehen sie in einem massiven
Abhängigkeitsverhältnis zu dem Saatgut-Konzern. Die Bestimmungen des Monsanto-
Vertrages und die Implikationen des Patentrechtes hebeln Rechte aus, die Bauern seit
tausenden von Jahren selbstverständlich zustehen. Erfahrungsberichte aus den USA zeigen, dass viele Landwirte sich nicht im klaren darüber waren, wie gravierend ein Saatgutkauf bei Monsanto in ihre bisherige landwirtschaftliche Praxis eingreift.

Kontrolle durch Detektive

Der Vertrag legt fest, dass Monsanto umfassende und jederzeitige Kontrollen vornehmen
darf. Mitarbeiter des Konzerns können nach Belieben Kornspeicher und Felder des
Farmers betreten. Monsanto darf Steuerbescheide und Kassenbücher einsehen, sogar
die Papiere der Kinder, und das alles drei Jahre lang, obwohl der Vertrag nur für jeweils
ein Jahr abgeschlossen wird. 20 Der Wille zur umfassenden Kontrolle seiner Kunden steht
nicht nur auf dem Papier: Monsanto unterhält eine eigene Abteilung von 75 Mitarbeitern
mit einem jährlichen Budget von 10 Millionen Dollar, die sich nur um mögliche
Patentverletzungen durch Landwirte kümmert. Bis zum heutigen Tage hat Monsanto seine
Detektive schon zu tausenden von nordamerikanischen Farmern ausschwärmen lassen,
um Nachforschungen anzustellen. Der Konzern hat sogar eine kostenlose
Telefonnummer geschaltet, wo man seine Nachbarn der Vertragsverletzung anschwärzen
kann. Monsanto gibt an, jährlich „hunderte“ telefonischer und brieflicher anonymer
Hinweise auf Vertragsverletzung zu erhalten. Laut eigener Angaben aus den Jahren 2003
und 2004 nimmt das Unternehmen jährlich 500-600 Untersuchungen wegen
„Saatgutpiraterie“ auf.

Kontrolle durch erzwungene Einigungen

Das ganze Ausmaß der Kontrollen und Verfolgungen zu überblicken, die Monsanto
seinen Kunden zumutet, ist nahezu unmöglich, denn häufig kommt es zu
außergerichtlichen „Einigungen“: Die Landwirte gehen aus Furcht vor kostspieligen
Gerichtsverfahren häufig darauf ein. Bis 2004 mussten Farmer allein in Fällen, die
gerichtlich entschieden wurden, über 400.000 US-Dollar an das Unternehmen zahlen.
Wenn Monsanto vermutet, dass ein Farmer seine Gen-Saaten unbefugt anbaut und ihn
bei einer Kontrolle nicht zu Hause antrifft, erhält der Landwirt einen Drohbrief. Darin heißt
es, Monsanto könne 100.000 bis 150.000 Dollar Schadensersatz fordern und werde sich
eine entsprechende Klage vorbehalten. Außerdem müsse der Farmer mit einem
Strafverfahren rechnen, sollte er Dritten von dem Vorgang berichten. Monsanto bietet
dem Farmer in dem Brief an, durch Zahlung einer Geldsumme an den Konzern einen
Prozess zu vermeiden. Viele beschuldigte Farmer gehen lieber einen außergerichtlichen
Vergleich an, als sich auf ein langes und teures Gerichtsverfahren einzulassen.
Zusätzlich zu solchen Drohbriefen verteilt Monsanto unter Saatguthändlern Listen mit den
Namen von Landwirten, denen es die Firma verboten hat, ihre Produkte zu kaufen. Dies
ist ein zusätzliches Druckmittel, denn mangels Alternativen sind die Landwirte auf
Monsanto oder mit dem Konzern kooperierende Saatguthändler angewiesen.

Kontrolle durch Verklagen

Bis 2004 hat Monsanto 90 Verfahren angestrengt, in die 147 Farmer und 39
Kleinunternehmen oder Landwirtschaftsfirmen verstrickt sind. Gerichtsstand ist
grundsätzlich St. Louis, Missouri – der Firmensitz von Monsanto, so steht es im Vertrag.
Landwirte, die verklagt werden, müssen es also nicht nur mit dem Budget und den Top10
Anwälten eines weltumspannenden Konzerns aufnehmen, sondern auch noch einen
Anwalt außerhalb ihres Heimatstaates finden und bei den Richtern im Heimatort von
Monsanto Gehör finden.
Kein Landwirt ist vor dem langen Arm Monsantos sicher. Farmer wurden verklagt, wenn
ihr Feld ohne ihr Wissen durch gentechnisch veränderte Pollen oder Samen kontaminiert
wurde oder wenn gentechnisch verändertes Saatgut des Vorjahres plötzlich in Feldern mit
konventionellem aktuellen Saatgut keimte.
Eines der bekanntesten Opfer Monsantos ist der kanadische Canola-Raps-Farmer Percy
Schmeiser. Er war nicht einmal Kunde Monsantos. Laut Schmeiser wurden seine Felder
durch die Gen-Saaten des Konzerns kontaminiert. Weil sich danach in Schmeisers
Pflanzen die von Monsanto patentierten Gene fanden, verklagte der Saatgutkonzern den
Farmer 1998 wegen Patentrechtsverletzung. 13 Am 6. August 2004 entschied der Oberste
Gerichtshof Kanadas nach einem jahrelangen juristischen Tauziehen mit fünf zu vier
Stimmen in letzter Instanz gegen Schmeiser. Dass Landwirte wie Percy Schmeiser das
genmanipulierte Saatgut überhaupt nicht auf ihren Felder haben wollen, ist unwesentlich.
Der Oberste Gerichtshofes Kanadas urteilte, dass „die Herkunft der [transgenen]
Rapssamen … für die Frage der Rechtsverletzung nicht von entscheidender Bedeutung
ist.“ Mit anderen Worten: Es ist irrelevant, wie patentierte Pflanzen auf das Land eines
Bauern gelangen – sie gehören Monsanto.
Schmeiser berichtet über die Methoden Monsantos: „Monsanto hat eine konzerneigene
Polizei, der viele ehemalige Mitglieder der Royal Canadian Mounted Police angehören.
Sie marschieren nach eigenem Gutdünken auf das Feld eines Farmers und nehmen dort
das Saatgut oder die Pflanzen weg, je nach Wachstumsstadium – sogar gegen den Willen
des Farmers. Wenn ein Farmer einen von ihnen auf seinem Feld erwischt und sagt: ‚Das
ist unbefugtes Betreten und Diebstahl‘, dann lachen sie ihn nur aus und sagen: ‚Wenn du
uns verklagst, dann zerren wir dich durch die juristischen Mühlen, bis dir am Ende nicht
mal deine Farm bleibt.‘ Inzwischen fügen sie hinzu: ‚Wir machen mit dir, was wir mit Percy
Schmeiser gemacht haben.

Strategie 4: Kontaminieren

Seit rund 10 Jahren wird gentechnisch veränderter herbizidresistenter Raps in
Nordamerika angebaut. In dieser Zeit haben sich Auskreuzungen in einem solchen
Ausmaß verbreitet, dass Raps-Pflanzen mit Resistenzen gegen drei oder mehr Herbizide keine Seltenheit mehr darstellen. Diese Gen-Pflanzen tauchen auf konventionell oder
biologisch wirtschaftenden Höfen auf und verursachen ein ernsthaftes Problem mit nicht
erwünschten Beikräutern. Inzwischen ist in Nordamerika mehr als die Hälfte allen
konventionellen Mais- und Soja-Saatguts und fast das gesamte Raps-Saatgut mit
Monsantos patentierten Genen kontaminiert.
Das „American Farm Bureau“ schätzt, dass die US-amerikanischen Landwirte pro Jahr
300 Millionen Dollar verlieren, weil sie ihr gentechnisch kontaminiertes Getreide nicht
mehr in Europa absetzen können. Die Biobauern Kanadas kämpfen ebenfalls gegen
Verunreinigungen ihrer Raps-Flächen, insbesonders in der Region Saskatchewan.
Pufferzonen erweisen sich als nutzlos, weil die empfohlenen Entfernungen viel zu gering
sind und Raps-Pollen sich mehrere Stunden in der Luft halten können. Die Felder von
Percy Schmeiser aber wurden auf noch simplere Weise kontaminiert: durch Samen, die
von einem Lastwagen herunter wehten. Schmeiser sagt: „Wenn die Regierung behauptet,
der Anbau von Gen-Pflanzen sei sicher, wenn der Abstand zu konventionell bepflanzten
Feldern zehn oder sogar fünfzig Meter beträgt, dann ist das einfach ein Witz. Farmer
wissen, dass man Pollen oder Samen nicht an der Ausbreitung hindern kann.“ So kann
nicht verwundern, dass die Kontaminationen ihren Ursprung teilweise in
„Freisetzungsexperimenten“ haben, die Monsantos Wissenschaftler durchführten –
angeblich zu Testzwecken. Doch es wurden dieselben Feldversuche viele Male in
Nordamerika und anderswo durchgeführt. Percy Schmeiser ist sich sicher: „[Für die
Biotechnologie] ist das eine gute Möglichkeit, einen Zeh in die Tür zu bekommen, und
dann natürlich den ganzen Fuß.“
Dale Adolphe, der Vorsitzende der „Canadian Seed Growers Association“, die Saatgut
von Monsanto verkauft, wird mit folgender Bemerkung zitiert: „Es gibt weltweit so viel
Widerstand gegen jede weitere Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen, dass die
einzige Möglichkeit, damit weiter zu kommen, in der Kontamination liegt.

Monsanto weltweit

Was Monsanto beispielhaft mit aller Härte vor allem in Kanada und den USA eingeübt
hat, führt es nun auf anderen Kontinenten fort. Dabei besteht die Langzeitstrategie des
Konzerns darin, mehr und mehr Märkte für Gentechnik-Saaten zu öffnen. Mit dem
PRArgument, dem „Welthunger“ etwas entgegensetzen zu wollen, versucht Monsanto,
Anbaugenehmigungen in Ländern wie Brasilien zu erhalten, das bereits ein großer Soja-
Produzent ist, oder in Indien, einem großen Baumwoll-Produzenten, oder auf den
Philippinen, wo in bedeutender Menge Mais angebaut wird, oder in Burkina Faso, einem
der wichtigen Baumwoll-Produzenten Westafrikas.

Afrika: In Südafrika ist Monsanto mit seinen Gen-Saaten bereits fest etabliert. Um sich
die Märkte weiterer afrikanischer Länder anzueignen, hat sich Monsanto mit anderen Gentechnik-Saatgut-Giganten zusammengetan und die „African Agricultural Technology
Foundation“ gegründet. Diese Stiftung verfolgt das Ziel, in werbewirksamer Kooperation
mit afrikanischen Wissenschaftlern patentfähige neue Techniken zu entwickeln –
angeblich um die Lebensmittel-Produktion afrikanischer Länder zu steigern. Anschließend
sollen diese Techniken möglichst mit Unterstützung der jeweiligen Regierungen in die
bäuerliche und Subsistenz-Landwirtschaft eingespeist werden – zum Beispiel durch eine
kostenlose Verteilung des genmanipulierten Saatguts, so geschehen in Südafrika.
Süd- und Südostasien sind entscheidende Märkte für Monsanto. Während der letzten
Jahre konnte der Konzern trotz massiver öffentlicher Proteste gegen seine Bt-Baumwolle
in Indien und Indonesien und auf den Philippinen seinen Bt-Mais auf den Markt hieven.
Monsanto agierte dabei besonders aggressiv, weil der asiatische Markt für das
Unternehmen einen Schlüssel für weiteres ökonomisches Wachstum darstellt – Indien
gehört zu den zehn größten Saatgut-Märkten der Welt. 14 Auf den Philippinen wurden
Monsanto und Pioneer Hi-Bred 1999 und 2001 wegen illegaler Freisetzungsexperimente
verurteilt. Doch inzwischen darf Monsanto seine Produkte dort ebenfalls absetzen – die
Welthandelsorganisation (WTO) übte entsprechenden Druck auf die Regierung aus.
Proteste von Gegnern gingen bis zum Hungerstreik: Auf den Philippinen sind Bauernhöfe
klein und liegen nah beieinander, eine Kontamination ist vorprogrammiert.
In jüngster Zeit mehren sich die Anzeichen, dass Monsanto auch in Südamerika eine
schärfere Gangart gegen Bauern einschlägt. Nach Protesten von US-Farmern wegen
ungleicher Behandlung hinsichtlich der Patentgebühren und nach seinem ersten
juristischen Erfolg in Brasilien beginnt der Konzern, von südamerikanischen Farmern für
seine Gentechnik-Pflanzen so genannte „Royalties“ zu verlangen. Die Gebühren fallen je
nach Produkt, Region, Saison und etwaigen weiteren Umständen sehr unterschiedlich
aus.

In Argentinien hat es, anders als in Brasilien, nie eine öffentliche Debatte über
gentechnisch manipuliertes Saatgut gegeben, so dass Monsanto auf dem dortigen
Saatgutmarkt für Soja eine Monopolstellung erreichen konnte. 16 Argentinien ist
mittlerweile nach den USA der weltweit zweitgrößte Produzent von Gen-Soja. 17 Der
Konzern hat so lange stillschweigend geduldet, dass viele Bauern sich illegal mit den
patentgeschützten Gen-Saaten eindeckten, bis praktisch das gesamte argentinische
Agrobusiness – über fünfzehn Millionen Hektar – mit Gen-Soja arbeitet. Über 99 Prozent
der Soja in Argentinien ist genmanipulierte Roundup Ready Soja von Monsanto. Nun will
Monsanto Geld: Anfang des Jahres 2005 drohte das Unternehmen, Argentinien zu
verlassen, falls die Landwirte keine Abgaben zahlen. Damit wäre die Aussaat in Gefahr
gewesen, denn die meisten nationalen Saatgutfirmen haben mittlerweile bankrott
gemacht. Angesichts dieser Situation nimmt sogar die argentinische Regierung das Wort
„Gangstermethoden“ in den Mund.

Über den Schwarzmarkt sind die Gen-Soja-Samen bis Brasilien gelangt, wo der Einsatz der grünen Gentechnik lange verboten war. Auch diesem Schmuggel sah Monsanto
jahrelang tatenlos zu – keine Detektive, wie in Nordamerika, keine Nachforschungen,
keine Klagen. 18,19 Mittlerweile haben die brasilianische Regierung und das Parlament den
Gen-Pflanzen grünes Licht gegeben, obwohl laut Umfragen mehr als 80 Prozent der
Brasilianer gegen einen Anbau von Gen-Pflanzen sind. 20 Nach der Legalisierung der
grünen Gentechnik darf Monsanto die Bauern nun zur Kasse bitten. Wie immer spielt es
dabei keine Rolle, woher der Landwirt die Gen-Sojasamen erhalten hat oder wie sie auf
sein Land gelangten – wenn Monsantos Gene in den Pflanzen gefunden werden, sind
Lizenzgebühren an den Gentechnik-Konzern fällig.

Auch Kolumbien ist bereits flächendeckend gentechnisch mit Roundup-Ready-
Sojabohnen von Monsanto kontaminiert. Sie gelangten über Lebensmittel-Hilfsprogramme
in das Land und wurden von den Bauern ausgesät. Mittlerweile ist der Gen-Pflanzen-
Anbau im Land gesetzlich gestattet, wobei Kolumbien die zweifelhafte Ehre zukommt, das
erste Land der Welt zu sein, in dem der stellvertretende Präsident des offiziellen Rates
für biologische Sicherheit gleichzeitig auch für Monsanto arbeitet. 2004 wurden in
Kolumbien 12.000 Hektar gentechnisch veränderte Baumwolle angepflanzt.

In Mexiko, dem Ursprungsland von Mais mit zahlreichen lokalen Varietäten, ist der Anbau
von Gen-Mais seit 1998 gesetzlich verboten. Trotzdem konnten Gen-Saaten ins Land
gelangen und die lokalen Maissorten flächendeckend kontaminieren. Die Gen-Saaten
gelangten wahrscheinlich auf zwei Wegen ins Land: zum einen durch US-amerikanische
Maisexporte nach Mexiko und zum anderen durch Mexikaner, die US-amerikanische
Maiskörner für die Aussaat mitbrachten. Die Mais-Kontamination hat in Mexiko große
Besorgnis ausgelöst, da Mais in Mexiko nicht nur ein Grundnahrungsmittel ist, sondern für
die lokale Bevölkerung auch in kulturellen Zusammenhängen einen zentralen Platz
einnimmt – ähnlich dem Reis in Indien. Mexiko ergriff umgehend strenge Maßnahmen,
nachdem die Kontamination entdeckt wurde, und untersagte sogar die Forschung mit
Gen-Mais. Maisexporte von den USA nach Mexiko konnten aufgrund US-amerikanischen
Drucks allerdings nicht gestoppt werden.

Im Irak zeigt sich, wohin die neueste Entwicklung geht: Dort haben die USA ein
Patentrecht installiert, wonach Bauern patentiertes Saatgut nicht mehr zur
Wiederverwendung aufbewahren dürfen. Damit wird im Irak per Gesetz geregelt, was
Monsanto in den USA jedem einzelnen Farmer in den Privatvertrag schreibt, wenn er
Gentechnik-Saatgut kauft. Monsanto bestreitet aktuell, Biotechnologie im Irak einführen
zu wollen, für den Konzern sei der Markt nicht interessant. Doch das neue Gesetz fordert
solch hohe Qualitätsstandards für neue Saatgut-Varietäten, dass es wahrscheinlich nur
großen Saatgutzüchtern – also Konzernen – möglich sein wird, diese Standards zu
erfüllen. Normale Bauern wären dann gezwungen, Saatgut zu kaufen und zu lizensieren –
so wurde der irakische Markt vorsorglich schon einmal Konzernen wie Monsanto
übergeben.

Monsanto drängt auf den deutschen Markt

Auch in Deutschland möchte Monsanto seine Gen-Saaten nun auf den Markt drücken –
wie immer zunächst auf dem Weg des „Erprobungsanbaus“. Laut Angaben des Konzerns
wurde der Gen-Mais Mon810 von Mai bis Oktober 2004 an 28 Standorten auf insgesamt
300 Hektar freigesetzt, und zwar in sieben Bundesländern: Baden-Württemberg, Bayern,
Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Laut
Anbaukataster der Bundesregierung, in dem seit 2005 Anbauflächen für genmanipulierte
Pflanzen veröffentlicht werden müssen, sollen auch im Jahr 2005 insgesamt etwa 1000
Hektar Gen-Mais Mon810 von Monsanto angebaut werden – die Hälfte davon allein in
Brandenburg. Und wie in allen Ländern, die Monsanto mit seinen Produkten überflutet
hat, wird auch in Deutschland zunächst einmal Werbung gemacht und entwarnt. Der
wissenschaftliche Leiter des Erprobungsanbaus, Prof. Dr. Eberhard Weber von der
Universität Halle-Wittenberg, lässt sich in einer Pressemitteilung der Märkischen
Kraftfutter GmbH vom 14. Januar 2005 optimistisch zitieren:

„Die Ergebnisse des Erprobungsanbaus in 2004 haben erneut wissenschaftlich
untermauert, dass beim Anbau von GV-Mais eine Beeinträchtigung von
nachbarschaftlichen Maisflächen mit einfachen Mitteln der guten fachlichen Praxis zu
verhindern ist.“ Die Märkische Kraftfutter GmbH wirbt in ihrer Pressemitteilung für ein
„Zeichen der Koexistenzsicherung“ von gentechnischer und konventioneller
Landwirtschaft. Das „Zeichen“ wurde gemeinsam mit der Monsanto Agrar Deutschland
GmbH erarbeitet: Konventionell wirtschaftenden Landwirten in der Nachbarschaft von
Gen-Mais-Feldern wird die Abnahme ihrer Körnermaisernte offeriert, und zwar zum
jeweils aktuellen Marktpreis von nicht kennzeichnungspflichtiger Ware. Ein Nachweis,
dass der Körnermais gentechnisch verunreinigt ist, muss nicht erbracht werden. 29,30
Das also ist „Koexistenz“ im Zeichen Monsantos: Wenn die gesamte Ernte ausnahmslos
durch die Hände des Konzerns geht und dem Endverbraucher jede Möglichkeit
genommen ist, zwischen manipuliertem und gentechnikfreiem Anbau zu unterscheiden.

Einflussnahme auf politische Entscheidungsträger und Institutionen

Neben seiner Patent- und Klagestrategie bemüht sich Monsanto auf etlichen weiteren
Wegen, Einfluss geltend zu machen, sich Vorteile zu sichern und wirtschaftliche
Dominanz auszubauen. Monsanto ist Mitglied zahlreicher Lobbygruppen und Strategie-
Allianzen weltweit, um auf politische Entscheidungen Einfluss zu nehmen.
Firmenvertreter nehmen unter anderem bei EuropaBio (European Association of Genetic
Engineering Industries) und im TransAtlantic Business Dialogue (TABD) wichtige
Positionen ein. Wenn Monsanto-Geschäftsführer Bob Shapiro in Beratungsgremien des US-Präsidenten sitzt – wie im Advisory Committee for Trade Policy and Negotiations
(ACTPN) -, so eröffnet dies dem Unternehmen nur eine Einflussmöglichkeit von vielen. In
den USA wechseln Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Monsanto zu US-
Bundesbehörden wie der Zulassungsbehörde FDA (Food and Drug Administration), der
Landwirtschaftsbehörde USDA (United States Department of Agriculture), der
Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency). Einige wandern nach Jahren im
Staatsdienst wieder zurück zu Monsanto.

Auch mit der Weltbank steht das Unternehmen in engem Kontakt: Der führende
Wissenschaftler der Abteilung Landwirtschaft und ländliche Entwicklung (ARD) der
Weltbank, Eija Pehu, ist gleichzeitig Mitglied der Direktion des ISAAA (International
Service for the Acquisition of Agri-Biotech Applications). Der ISAAA wird unter anderem
von Monsanto finanziert. Sein Ziel ist die weltweite Verbreitung gentechnisch veränderten
Saatguts.

In Europa sieht es nicht anders aus: Die britische Zeitung Daily Mail berichtete in ihrer
Ausgabe vom 7.7.2003, dass Monsanto und die britische Labour Party von der selben
PR-Agentur vertreten werden und führende Labour-Parteimitglieder massiv in die
Gentechnik-Industrie investiert haben. 1999 saß ein Monsanto-Mitarbeiter im „Plant and
Microbial Sciences Committee“ des BBSRC (British Biotechnology Science Research
Council). Ein anderer Angestellter saß in der Network Group des BBSRC. Der BBSRC
entscheidet in Großbritannien darüber, mit welchen Biotechnologie-Forschungsmitteln die
Universitäten ausgestattet werden.

Schwere Vorwürfe gegen die Haltung der Europäischen Behörde für
Lebensmittelsicherheit (EFSA) erheben die beiden Umweltorganisationen Friends of the
Earth und Global 2000. In ihrem Bericht „Throwing Caution to the Wind“ vom November
2004 werfen sie der EFSA konstante Parteinahme für die Interessen der Gentechnik-
Industrie vor. 35 Der Ausschuss zur wissenschaftlichen Bewertung von Gen-Pflanzen,
angesiedelt bei der EFSA, nimmt Sicherheitsbewertungen von Gentech-Pflanzen vor, die
mit entscheidend sind für die Zulassung von Gen-Pflanzen in den EU-Staaten. Von den
21 Mitgliedern des Ausschusses haben 8 nach den Recherchen von Friends of the Earth
eine Doppelfunktion: Sie arbeiten eng mit Monsanto, Bayer CropScience und Syngenta
zusammen – Firmen, über deren Anträge der Ausschuss zu befinden hat.

Deutschland ist mit drei Vertretern im Ausschuss präsent: Hans-Jörg Buhk, Leiter der
Gentechnik-Genehmigungsbehörde beim Bundesamt für Verbraucherschutz und
Lebensmittelsicherheit (BVL), Detlef Bartsch (ebenfalls BVL), sowie Joachim Schiemann,
der bei der Biologischen Bundesanstalt (BBA) die Sicherheit von Gen-Pflanzen überprüft.
Die beiden Spitzenbeamten Buhk und Bartsch scheuten sich nicht, in einem Werbefilm für
den Gen-Mais von Monsanto aufzutreten, wie das Politik-Magazin „Report Mainz“ am 28.
Februar 2005 berichtete. Titel des Werbevideos, das von einer privaten TV-Firma im
Auftrag von sechs Agro-Konzernen angefertigt wurde: „Das streitbare Korn“. Hans-Jörg Buhk preist darin die ökonomischen Vorteile des Gen-Mais.
Auch auf Universitäten und Bildungseinrichtungen nimmt Monsanto massiv Einfluss:
Im Jahr 2000 gelangte die britische Umweltorganisation GeneWatch UK an ein internes
Dokument des Unternehmens. Das Dokument bewies, dass Monsanto aktiv Einfluss
darauf nimmt, welche Experten in internationale wissenschaftliche Gremien aufgenommen
werden. 38 An zahlreichen Universitäten in aller Welt sponsort Monsanto
Weiterbildungsmaßnahmen, die Anschaffung neuer Techniken, Professuren und
Promotionen. Durch die engen Verflechtungen Monsantos mit Bildungseinrichtungen
fließen umgekehrt auch öffentliche Mittel in Monsantos Forschung zurück.

Monsanto und das Gesetz

Immer wieder bricht Monsanto geltende Gesetze, wenn sich das Unternehmen davon
einen Vorteil verspricht, oder pflegt einen äußerst laxen Umgang mit Antragsregularien für
seine Gen-Saaten. Einige Beispiele:

2002 Bestechung: Wegen Bestechung eines indonesischen Regierungsbeamten muss
Monsanto rund 1,5 Millionen US-Dollar Strafe bezahlen. Laut US-Justizministerium hat
Monsanto im Jahre 2002 versucht, mit Hilfe eines Bestechungsgelds in Höhe von rund
50.000 US-Dollar ein „günstiges Klima“ für gentechnisch veränderte Pflanzen in
Indonesien zu schaffen. Der Konzern wollte die Genehmigung für den Anbau
gentechnisch veränderter insektenresistenter Baumwolle erhalten und erhoffte sich eine
Reduzierung der Auflagen für die Umweltprüfung. Monsanto akzeptierte das Bußgeld wie
auch die Auflage, seine Bücher während der nächsten drei Jahre von einem
unabhängigen Finanzprüfer überwachen zu lassen.

1990-2001 illegale Freisetzungen: 2003 kam heraus, dass Monsanto in den USA
entgegen gesetzlicher Bestimmungen Gen-Pflanzen 44 mal zwischen 1990 und 2001
freigesetzt hatte. Der Konzern musste 69,550 US-Dollar Strafe bezahlen. Zwischen 1990
und 2001 hatte Monsanto häufiger gegen Gesetze verstoßen als jede andere Firma oder
Institution, so ein Report aus der US-Landwirtschaftsbehörde USDA.

2004 Gen-Mais-Antrag mangelhaft: Im September 2004 nahm die EU-Kommission den
genmanipulierten Bt-Mais Mon810 der Firma Monsanto in den Europäischen
Sortenkatalog auf und ermöglichte damit den Verkauf des Gen-Mais an Landwirte in ganz
Europa. Begründung: Die Firma Monsanto habe den vorgeschriebenen „umfassenden
Überwachungsplan“ für den Anbau des Gen-Mais vorgelegt. Greenpeace hakte nach und
fand heraus, dass der „umfassende Überwachungsplan“ nichts als Makulatur war: Das
einzige Dokument, das nur geringfügig ergänzt wurde, ist ein Papier der Firma Monsanto
aus dem Jahr 1995, dem Jahr, in dem erstmals ein Antrag auf Zulassung des Gen-Mais in
der EU gestellt wurde. Erstaunlich, dass die EU-Kommission dem Antrag dennoch
zustimmte. Man kann nur mutmaßen, wie hoch der entsprechende Druck aus den USA gewesen sein muss, Monsanto trotz mangelhaften Antrags die Zulassung des Gen-Mais zu gewähren.

2004 Gen-Mais macht Ratten krank: Im April 2004 gelangten die Ergebnisse von
Fütterungsversuchen an die Öffentlichkeit. Ratten, die 90 Tage lang ein Drittel ihrer
Nahrung in Form von Gen-Mais der Sorte Mon863 zu sich genommen hatten, wurden auf
mehrfache Weise krank: Bei männlichen Tieren stieg der Anteil der weißen Blutzellen an,
ihre Nieren waren häufiger verkleinert als bei Kontrolltieren und bei einigen Ratten traten
mikroskopisch sichtbare Veränderungen an den Nierenkanälchen auf. Bei den Weibchen
sank die Anzahl der so genannten Retikulozyten deutlich, aus denen die roten
Blutkörperchen entstehen. Außerdem war der Blutzuckerspiegel erhöht. Aufmerksame
Beobachter hatten diese Informationen einer Stellungnahme von EU-Experten
entnommen. Die Originaldaten sind allerdings nicht öffentlich zugänglich: Sie wurden von
Monsanto erhoben. Der Konzern stellte die Studie lediglich den Zulassungsbehörden der
EU-Staaten und der EFSA (European Food Safety Authority) zur Verfügung, hält sie vor
der Öffentlichkeit aber geheim – und sieht vor allen Dingen darin keinen Grund, die
gesundheitliche Unbedenklichkeit des Gen-Mais ernsthaft in Zweifel zu ziehen.

2005 Betrug in Indien: Einem Betrugsskandal bei der Zulassung von Gen-Baumwolle in
Indien kamen Greenpeace und die lokale Jugendorganisation Sarvodaya im März 2005
auf die Schliche. Greenpeace gelangte in den Besitz zweier Berichte der staatlichen
Landwirtschaftsbehörde – Original und Fälschung. Während im Original der Einsatz von
Gen-Baumwolle in Indien als Fehlschlag dargestellt wurde, werden in der zweiten,
deutlich überarbeiteten Fassung die Ernteerträge geschönt. Die „optimistische“
Neufassung sollte der indischen Behörde Genetic Engineering Approval Committee
(GEAC) vorgelegt werden, die über die Zulassung der Gen-Baumwolle wacht.

2004, 2005 bedenkliche Roundup-Ready-Soja: Die behördliche Entscheidung,
Roundup-Ready-Soja für den Anbau und/oder den Import zuzulassen, basiert in mehreren
Ländern auf den Angaben von Monsanto. Seit Mitte der Neunziger Jahre kamen mehr
und mehr Ungereimtheiten zum Vorschein. Wissenschaftliche Untersuchungen ergaben,
dass der genetische Umbau der Sojabohne in etlichen Punkten nicht den Angaben von
Monsanto entspricht. Die Bohne enthält aufgrund technischer Mängel bei der
Manipulation zusätzliche Fragmente des eingeführten Gen-Abschnitts, die in den
Unterlagen Monsantos nicht aufgeführt waren. Abschnitte in der eigenen DNA der Pflanze
waren neu angeordnet. Es ist bis heute offen, welche DNA-Abschnitte genau im RR-Soja
von Monsanto enthalten sind.
Auch was die Erträge angeht, kann man sich kaum auf Monsantos Angaben verlassen:
Monsanto behauptete, dass der Anbau von Roundup-Ready-Soja höhere Erträge erzielen
würde als der Anbau konventioneller Sojabohnen. Doch in mehrjährigen Studien an US-
Universitäten konnte nachgewiesen werden, dass die Erträge genetisch manipulierter RR-
Soja im Vergleich zu nicht genetisch manipulierten Sorten niedriger sind. Die Umweltverträglichkeitsuntersuchungen von Monsanto sind für Gen-Soja ebenfalls dürftig:
Es wurden weder physiologische noch biochemische Parameter untersucht (wie
Stickstoffaufnahme, Photosyntheserate). Weder die Auswirkungen der genetischen
Veränderung auf die Pflanze insgesamt wurden bewertet, noch die richtige genetische
Funktionsweise der Pflanze. Mögliche Risiken wurden nicht ausreichend untersucht und
bewertet.
Anfang 2005 veröffentlichte der renommierte US-Agrarwissenschaftler Charles Benbrook
im Auftrag von Greenpeace eine Studie über den Gen-Soja-Anbau in Argentinien.
Benbrooks Untersuchungen zeigten: Durch die Ausweitung des Gen-Soja-Anbaus in
Argentinien werden immer mehr Pestizide eingesetzt. 46,47 Im Anbaujahr 2003/04 hat sich
der Gesamtverbrauch an Roundup Ready auf Gen-Sojafeldern ver-56-facht. 2004 wertete
Benbrook im Rahmen einer Studie zum Pestizid-Verbrauch für Gen-Pflanzen in den USA
Daten der US-Landwirtschaftsbehörde USDA aus: Die Gesamtmenge an Pestiziden, die
für gentechnisch veränderten Mais, Soja und Baumwolle verwendet wurde, stieg zwischen
1996 und 2004 um 122,4 Millionen Pfund. Auch wenn Monsanto immer wieder mit einer
Verminderung des Herbizid-Einsatzes für seine Gen-Pflanzen Werbung macht, wird es
dem Konzern nicht ungelegen kommen, wenn das Gegenteil der Fall ist: 2004
erwirtschaftete der Konzern 27,7 Prozent seines Gewinns allein mit dem Herbizid
Roundup Ready.

Monsantos Skandalchronik

Die Skandalchronik Monsantos ist atemberaubend und lang.
Beispiel PCB: Monsantos Konzernleitung wusste bereits 1937, dass PCB (polychlorierte Biphenyle), die als Hydraulikflüssigkeiten und zur Kühlung und Isolierung von Trafos weit verbreitet waren, Leberschäden verursachen. 1947 warnten Wissenschaftler das Monsanto-Management erneut vor PCB, weil deren extreme Giftigkeit erwiesen sei. Seit 1956 wusste Monsanto, dass seine PCB mit Dioxinen verseucht waren, und 1971 wurde auf einer internen Konferenz anerkannt, dass PCB zu Missbildungen beim Menschen führten. Aus Angst vor Klagen und Imageverlusten beschloss die Konzernleitung, die Ergebnisse zu bestreiten und die PCB als ungefährlich darzustellen. Das von Monsanto mit den PCB-Studien beauftragte Labor, Industrial Bio-Test Labs (IBT), war kurz darauf in einen der größten USFälschungsskandale-verwickelt. Tausende von Studien erwiesen sich als gefälscht. Der Verantwortliche, der frühere Monsanto-Toxikologe Paul Wright, wurde verurteilt.

Beispiel Dioxin : Ähnlich wie im Fall der PCB wusste Monsanto bereits früh von den vielen
Gesundheitsgefahren des Dioxin-Giftes, das in etlichen von Monsantos Produkten enthalten war. Die Firma leugnete jedoch bis in die 70er Jahre hinein die Schädlichkeit und setzte seine Beschäftigten hohen Dioxinwerten aus. Die Firma ließ zudem mehrere Studien fälschen, die Dioxin Unbedenklichkeit attestierten.

Beispiel Agent Orange: Seit 1969 produzierte Monsanto das Herbizid „Lasso“, besser unter dem Namen Agent Orange bekannt. 1961 bis 1971 wurden über Südvietnam 79,5 Millionen Liter Herbizide versprüht, um dem Vietcong und den Nordvietnamesen Deckung und Nahrung zu nehmen. Bis zu vier Millionen Vietnamesen leiden an den Folgen. Noch heute werden Kinder, deren Eltern besprüht wurden, mit schwersten Behinderungen geboren. Monsanto behauptet bis heute, zwischen Agent Orange, Fehlgeburten, Missbildungen, Krebs und anderen Krankheiten sei kein Zusammenhang nachweisbar. Für den Einsatz von Agent Orange sei zudem allein die US-Regierung verantwortlich. Die Opfer aus Vietnam versuchen bislang vergeblich, ihre Ansprüche gerichtlich durchzusetzen.

Beispiel Roundup: Monsanto stellt Roundup seit 1976 her, es ist das meist verkaufte Herbizid weltweit. 1983 und 1991 berichtete die US-Umweltbehörde EPA über ”ernste Mängel und Unkorrektheiten” in Studien, die Monsanto zur Beurteilung des Totalherbizids Roundup eingereicht hatte. Zahllose Todesfälle unter Versuchstieren seien nicht gemeldet worden, Datentabellen frisiert und Daten ”routinemäßig gefälscht” worden. In Gerichtsverfahren wurden die Verantwortlichen zu hohen Strafen verurteilt.

Beispiel Posilac: 1993 wurde Posilac – auch rBST oder rBGH genannt – ein von Monsanto gentechnisch produziertes Rinderwachstumshormon, zugelassen. Es soll Kühe zu höheren Milchleistungen bringen. Allerdings häuften sich Beschwerden über Euterentzündungen und Fruchtbarkeitsstörungen bei den Tieren.
Bis zum Oktober 1995 klagten mehr als 1.300 US-Bauern über Probleme bei 10.000 Kühen.
Zeitungsberichten zufolge wollten bis zu 90 Prozent der Farmer, die Posilac verwendet haben, auf den
weiteren Gebrauch verzichten. Um Posilac trotz dieser bekannten Risiken auf den Markt zu bringen, hat die Firma Untersuchungsergebnisse, die ihr nicht passten, unterdrückt und zurecht gerückt. Ein Mitarbeiter der Zulassungsbehörde FDA wurde überführt, für Monsanto gearbeitet zu haben. In Europa ist rBST verboten, weil man als erwiesen ansieht, dass die Substanz bei Menschen Brust-, Darm- und Prostatakrebs auslösen.

Mangelhafte Produkte

Die Produkte, die Monsanto so aggressiv weltweit in den Handel bringt, versagen immer
wieder. Vor allem Bt-Baumwolle hält nicht, was sie verspricht:
In den Vereinigten Staaten haben Farmer Monsanto schon vor Jahren verklagt, weil die
Ernte desaströs ausfiel und die Landwirte massive Finanzeinbußen hinnehmen mussten.
So wurde die Gen-Baumwolle Monsantos von Schädlingen befallen, gegen die das
eingebaute Bt-Toxin-Gen angeblich schützen sollte. Außerdem zeichnete sich die Gen-
Baumwolle durch eine verschlechterte Keimfähigkeit, geringere Erträge und kleinere
Fruchtstände aus, was die Ernte verkomplizierte. Sowohl in außergerichtlichen
Einigungen wie auch nach Gerichtsurteilen musste Monsanto erhebliche Summen an
Hunderte von US-Farmern bezahlen, 1998 klagten sämtliche Farmer Louisianas, die zwei
Jahre zuvor die Bt-Baumwolle von Monsanto angebaut hatten.

Von Entschädigungen können die Bauern in Asien nur träumen. Zum Beispiel in
Indonesien: 2001 hielt die Bt-Baumwolle des Konzerns – vertrieben durch Monsantos
indonesische Filiale PT Monagro Kimia – Einzug in die indonesische Region Süd-
Sulawesi. Flankiert wurde dies durch eine massive Werbekampagne unter den Bauern.
Monsanto behauptete, Gen-Baumwolle sei umweltfreundlich, würde weniger Pestizide
brauchen, eine üppige Ernte und zunehmenden Wohlstand der Bauern garantieren.
Darüber hinaus garantierte PT Branita Sandhini – eine Tochterfirma von PT Monagro
Kimia – den Bauern den Aufkauf der Ernte. Doch schon im ersten Pflanzjahr ließ eine
Dürre die Baumwollpflanzen eingehen. Die Dürre führte zu einer explosionsartigen
Vermehrung der Schädlingspopulation auf der Gen-Baumwolle, nicht jedoch auf anderen
Baumwollsorten. Anstatt den Verbrauch von Schädlingsbekämpfungsmitteln reduzieren
zu können, mussten die Bauern eine andere Mischung und größere Mengen verwenden,
um die Schädlinge einzudämmen. Die Gen-Baumwolle lieferte nicht die versprochenen
Erträge von 3 Tonnen pro Hektar sondern einen durchschnittlichen Ertrag von lediglich
1,1 Tonnen pro Hektar. Im Jahr darauf fielen die Ergebnisse ähnlich kümmerlich aus, was
die Bauern in einen Schuldenkreislauf trieb: Etwa 70 Prozent der rund 4.500 Bauern, die
Gen-Baumwolle anbauten, konnten ihren Kredit nach dem ersten Pflanzjahr nicht zurück
zahlen. PT Branita Sandhini erfüllte auch sein Versprechen nicht, die Ernte aufzukaufen.
Inzwischen ist Indonesien zu gentechnikfreier Baumwolle zurückgekehrt: Im Dezember
2003 verkündete der indonesische Landwirtschaftsminister, dass Monsanto sich aus Süd-
Sulawesi zurück gezogen habe.

Ein ähnliches Bild bietet sich in Indien: Im September 2004 gingen in dem südlichen
Bundesstaat Andhra Pradesh Bauern auf die Barrikaden. Die Bt-Baumwolle lieferte schon
im ersten Jahr des Anbaus enttäuschende Resultate. Die Regierung von Andhra Pradesh
verlangte daraufhin von Monsanto Ersatzzahlungen für die Ausfälle, die das
Unternehmen allerdings nicht zahlte.

Auch Gen-Soja bringt neue Probleme mit sich: Eine US-Studie von 1999 zeigt, dass
Roundup-Ready-Sojapflanzen keineswegs nur ein Gift-Gen in sich tragen, sondern
grundsätzlich neue und für die Landwirtschaft schädliche Eigenschaften aufweisen.
Forscher in den USA haben herausgefunden, dass die Stängel von Roundup-Ready-
Sojabohnen aufplatzen können, wenn der Boden im Sommer 40 bis 50 Grad Celsius heiß
wird. Das führt zu einem Ernteverlust von bis zu 40 Prozent. In Böden, die sich nur auf 25
Grad erwärmen, wachsen die gentechnisch veränderten Pflanzen so gut wie die
konventionellen. Die Wissenschaftler vermuten, die Roundup-Ready-Resistenz bringe die
Pflanze dazu, 20 Prozent mehr Lignin zu produzieren, die hölzerne Form von Cellulose.
Dies könnte die Pflanze spröder machen.

Zusammenfassung

Der Monsanto-Konzern blickt auf eine lange Skandalchronik zurück, von Agent Orange
über PCB bis zum Dioxin. Derzeit stammen 90 Prozent aller weltweit angebauten Gen-
Pflanzen von Monsanto. Das global agierende Unternehmen verfolgt ein klares Ziel: Es
will die Welt-Landwirtschaft vollständig unter seine Kontrolle bringen – und dies mit
Produkten, die sich in Studien und in der Praxis immer wieder als mangelhaft erweisen.
So bleiben die Erträge von Gen-Baumwolle vielerorts hinter den Versprechungen des
Unternehmens zurück, Gen-Mais erweist sich in Fütterungsversuchen an Tieren als
gesundheitsgefährdend, und der Anbau herbizidresistenter Pflanzen verschlingt mehr
Herbizide statt weniger, wie das Unternehmen wirbt.
Vier Strategien sollen Monsanto den Weg zum weltweiten Saatgut-Monopol sichern:

1. Kaufen: Seit 1999 ging Monsanto auf Einkaufstour und erwarb für mehr als 13
Milliarden Dollar überall auf der Welt Saatgutfirmen.
2. Patentieren: Monsanto erwirbt eine Vielzahl von Patenten, sowohl für gentechnische
Methoden als auch für sein genmanipuliertes Saatgut. Patente sichern dem Unternehmen
weitreichende Rechte an Gen-Pflanzen und Folgeprodukten.
3. Kontrollieren: Das Unternehmen unterwirft Landwirte einem in der Geschichte
beispiellosen Kontrollsystem, beginnend mit detaillierten Verträgen, denen sich ein Kunde
Monsantos unterwerfen muss. Es folgen Detektive, Nachforschungen, Drohungen und
Klagen.
4. Kontaminieren: Die Kontamination ganzer Regionen mit den Gen-Saaten Monsantos
gibt dem Unternehmen – dank Patentgesetzgebung – das Recht, Lizenzgebühren für
Ernten zu verlangen, sogar von Landwirten, die durch Kontamination Opfer von
Monsantos Gen-Saaten wurden. Inzwischen ist in Nordamerika mehr als die Hälfte allen
konventionellen Mais- und Soja-Saatguts und fast das gesamte Raps-Saatgut mit
Monsantos patentierten Genen kontaminiert.

Die vier Strategien Monsantos greifen wie Zahnräder ineinander und wurden von dem
Unternehmen vor allem in den USA und Kanada aggressiv zum Einsatz gebracht.
Daneben nimmt der Saatgutkonzern auf vielen Ebenen Einfluss auf Politik und
Wissenschaft, indem er als Sponsor auftritt oder für personelle Verflechtungen mit
Genehmigungsbehörden sorgt. Derzeit drängt das Unternehmen mit seinen Taktiken auf
weitere Märkte in Asien, Afrika und Lateinamerika. Immer wieder bricht Monsanto
geltende Gesetze, wenn es sich davon einen Vorteil verspricht, oder pflegt einen äußerst
laxen Umgang mit Antragsregularien für seine Gen-Saaten. So wurde Monsanto vor
kurzem der Bestechung eines indonesischen Regierungsbeamten überführt. Im Jahre
2003 kam heraus, dass der Konzern in den USA zwischen 1990 und 2001 Gen-Pflanzen
44 mal illegal freigesetzt hatte. Auch in Deutschland versucht Monsanto derzeit Fuß zu
fassen. 2004 fand bereits an zahlreichen Standorten ein „Erprobungsanbau“ statt, der
2005 noch ausgeweitet werden soll.

Das Verbrechersyndikat

Firmen unter denen Monsanto firmiert!

Quellen

Strategiewahl als Risikofaktor in der Nahrungsmittel- und Pharmaindustrie: Der Fall „Gentechnik“ von
Monsanto, Thorsten Bernsmann, Holger Olschewski, http://www.krisennavigator.de/rifa3-d.htm

http://www.monsanto.de

Monsanto products accounted for over 90% of the total area planted with GE crops in the world in 2001″,
http://archivo.greenpeace.org/toursoja/informes/Multinacionales/monsanto_eng.pdf

Alle Quellnachweise im vorliegenden PDF, welches uns von Greenpeace Deutschland freundlicherweise, nach der Löschung auf der Greenpeaceseite  zur Verfügung gestellt wurde.

Monsanto-NEU-Bearbeitetes PDF

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